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geh

 

 

Kapitel  1 -2 - 3 - 4 - 5

1.

 

Wie alles begann...

 

Ich glaub es nicht, ich bin gaga, wer macht so etwas? Ok ich sitze im Zug

und wir haben Montag. Ich werde jetzt hier wie viele Stunden in diesem

Waggon verbringen? Keine Ahnung ich glaub es sind zwanzig oder mehr.

Wenn ich mich so umschaue ist es hier doch ganz schön voll, doch kaum

einer wird mit mir so lange fahren. Alle Welt fliegt oder nimmt das Auto,

fliegen hab ich noch Angst und ich setze keinen Fuß in so einen Flieger,

Auto ist mir echt zu strapaziös, deshalb also die Bahn, die gute alte Bahn.

Sie fährt wahrhaftig bis Rom. Es ist für mich eine gute Gelegenheit einmal

nachzudenken, einmal Abstand zu gewinnen, es wird eine ruhige und

besinnliche Fahrt. Ich habe genug zu Essen und zum Trinken mit, nichts

kann schief gehen. Verrückt aber witzig.

 

Milla lehnte sich entspannt in den Sitz, schloss die Augen und dachte

zurück, zurück an die Zeit wie alles begann. Ein Lebensabschnitt von

ganz unten bis ganz oben. Tatamtam...

 

Es war Anfang April 1999 und erst vor einigen Wochen war Milla aus

New York zurück und sie war so richtig happy und voll Power, noch

immer in der Stimmung „Leben ist geil“. Wieder angekommen in

ihrem alten Landhaus, welches sie mit zwei weiteren Bewohnern

Frank und Phil, eine WG, keine wilde sondern eine seriöse WG, alle

im gleichen Alter und bestens eingespielt, teilte. Sie dachte sich ok

was neues muss her, alle Welt spricht von Internet, wir sollten uns

einen Anschluss legen lassen. Phil was meinst du, Internet? Hmm

brauchen wir nicht. Doch brauchen wir. Es war genau die Richtige

Aufgabe für Milla und sie machte sich mit großen Elan an die Arbeit.

Es gab alle Pannen die es nur geben kann, alle Fehler die nur auftreten

können, aber nach genau sage und schreibe14 Tagen konnte sie das erste

Mal ins Netz gehen. Genial ich bin online, ich die kleine Milla vom Dorfe

war endlich mit der großen Welt verbunden. Supermegageil.

Bis tief in die Nacht surfte sie durch dieses riesige WorldWideWeb, sie

staunte und genoss es bis zum Morgengrauen. Dieses Internet ist wirklich

der Hammer, ich muss mir dringend ganz viele Internetadressen

besorgen. Eines Abends es war gegen 23.00 Uhr wollte sie schon

den PC ausschalten, da entdeckte sie einen Button „Chat“ Chat? Wie

witzig, nix wie rein und schauen wie es dort zugeht. Geben Sie einen

Chatnamen ein, was für einen Chatnamen? Kein Plan, ich nenne mich

mal Mandarine oder, ach kein oder Mandarine ist gut.

 

Mandarine: Hii ii iii

Mandarine: ups über tastatur gestolpert

Mensch2: hi mandarine

Fat: hallo mandarine, komm doch rein

Volcano: klatsch is se drin

Mandarine: hallo wie geht es euch?

Fat: gut und dir?

Mensch2: jo alles klar

 

So ging es eine Weile hin und her, belangloses Chatgeplauder, jedoch

wurde es immer witziger und spaßiger , alle waren bester Laune und

plapperten munter drauf los.

 

Fat: mandarine wie alt bist du?

Mandarine: wie alt bist du denn mensch2?

Mandarine: und du Fat und Volcano?

Mensch2: 24

Fat: 24

Volcano 24

Oh Scheiße wieso sind die denn hier alle 24? Ich kann unmöglich sagen

ich bin 43.

 

Mandarine: 24

 

Mandarine: wie seht ihr denn so aus?

 

Nacheinander beschrieben alle auf lustige Art und Weise wie sie aussehen,

natürlich auch Milla

 

Mandarine: also gut, ich sag auch wie ich aussehe

Fat: da sind wir ja gespannt

Mensch2: ruhe

Mandarine: also

Mandarine: ja hmm

Volcano: ja?

Mandarine: grottenhäßlich !!

 

Ein großes Palaver ging durch den Chat, alle sahen fürchterlich aus und es

musste das reinste Horrorkabinett an den PC s versammelt sein. Bis

tief in die Nacht unterhielten sich die Chatter prächtig und versprachen

am nächsten Abend wiederzukommen.

 

Mandarine: fein, ich freue mich auf morgen abend, um wieviel uhr?

Mensch1: gib mir deine mailadresse, ich mails dir rein

Fat: ja gib uns deine mailaddi

 

Oh nein die von der Telefongesellschaft hatten vergessen mir eine

Mailadresse zu geben, wie komm ich nun aus dieser Nummer raus?

 

Mandarine: oh nein, mailadresse gibt es erst nach dem 3. Treffen, ok?

Mensch2: jetzt eier nicht rum und gib uns die adresse

Mandarine: nö

Mandarine: wir sehen uns morgen und nach dem 2 mal gibt es auch

meine mailadresse.

Mandarine: nacht jungs

Fat: nacht

Mensch2: nacht kleine

Volcano: nacht bis morgen

 

Puh... das war köstlich. Aber ich kann unmöglich morgen wieder hingehen,

alles sind 24 oder alle lügen, aber ich habe so phantastisch gelacht.

 

Am nächsten Morgen rief Milla erst mal bei der Telefongesellschaft an,

sie haben vergessen mir eine Emailadresse zu geben. Nein kein Problem

natürlich haben Sie eine Emailadresse, es ist die Kenn-Nummer loggen

sie sich ein und vergeben sie sich eine entsprechende Adresse. So das

war geklärt, weil Email brauch ich ja in jedem Fall. Am Abend wurde

Milla langsam unruhig, sie fragte sich die ganze Zeit ob sie nicht doch

ein Viertelstündchen chatten gegen sollte. Nein auf keinen Fall. Schluss

mit dem Unfug.

 

Mandarine: hi zusammen

Volcano: hi mandarine, *fg

Fat: hallo mandarine, du kommst spät

Mensch2: hallo mandarine

 

 

Alle waren gekommen und wieder gab es einen vergnügten Abend,

Milla warf bereits nach fünf Minuten alle Bedenken über Bord. Man

verabredete sich wieder für den kommenden Abend und da sollte es

endlich die begehrte Emailadresse geben. Jeder einzelne erinnerte Milla

daran.

 

Milla hatte jedoch Zweifel ihre Emailadresse rauszugeben, so las man doch

ständig das man es nicht tun sollte. Naja bis heute Abend ist ja noch Zeit

und was ist so schlimm daran. Außerdem gehe ich heute sowieso nicht in

den Chat. Schluss Ende Aus mit Lustig.

 

 

Sie bekam langsam ernsthafte Kopfschmerzen bei den Gedanken an den

Chat, da war ja zum einen dieser phänomenale Spaßfaktor, aber da war

auch eine Menge was dagegen sprach. Alle waren jung und las man nicht überall

man sollte vorsichtig in diesen Chaträumen sein, und überhaupt passte sie

dort ja nun wirklich nicht hin. Ich bin 43, eine super vernünftige smarte

Frau, stehe im voll im Geschäftsleben und habe mit der sonoren Gesellschaft

der Nachbarstadt Champagner geschlürft, zwar immer ein wenig albern

und kindlich. Aber dieses chatten? Nein unmöglich das geht nicht, dachte sie

und grinste vor sich hin.

Je später der Abend um so zappeliger wurde Milla auf ihrem Stuhl, sie

sagte sich scheiße ich geh hin, was kann schon passieren, später schreibe

ich allen ich bin beruflich in Ausland nach Nordnorwegen versetzt und das

war es dann. Und sie ging wieder in den Chat, wie die Abende zuvor ging

es total lustig zu keiner war irgendwie ernst oder vernünftig. Wie

versprochen gab sie Fat und Mensch2 ihre Emailadresse und im laufe des

Abends ergab es sich das sie sich ausschließlich mit Mensch2 unterhielt.

Zunächst über Gott und die Welt, jedoch im Laufe des Gesprächs

erzählte er ihr von seinen Sorgen. Seine Frau hatte ihn verlassen. Das

Gespräch nahm eine ernste Wendung und Milla hörte aufmerksam und

voller Anteilnahme zu. Dieser Chat dauerte bis tief in die Nacht um nicht

zu sagen bis zum Morgengrauen. Mensch2 und Mandarine verabreden sich

für den nächsten Abend.

 

Am nächsten Morgen kamen die ersten Emails. Sie haben Post brüllte

mein Computer. Ich habe Post flötete Milla und war gespannt von wem.

Die erste Mail kam von Fat, er schrieb ganz rührend von Liebe und

Freundschaft und das er froh ist mandarine kennengelernt zu haben,

am Ende stand Dein Freund Marcus.

Ja jetzt haut es mich weg, was ist denn in den gefahren. Milla war

geschockt, was hatte sie getan das er zu solchen Aussagen kam, fragte

sie sich und saß ratlos vor sich hin starrend vor dem PC, hmm.

Ok ich schau mir noch die nächste Mail an, hoffentlich schreibt der nicht

auch so einen Käse, dann kriege ich aber den Vollrappler, nie wieder Chat.

 

 

Hallo Mandarine,

Fat hat mir heute geschrieben das ihr zusammen geht. Wie wäre es wenn

ihr euch eine Emailadresse bei bluewin nehmt, vereinfacht die Sache.

Meld dich mal wieder. Gruß Matteo

 

Boah ey sprachlos.

 

Abgesehen davon das Milla mit bluewin wieder mal gar nichts anfangen

konnte, war sie doch ganz schön geschockt. Sie setzte sich an ihren PC

und wollte die Mails beantworten. Sie war nicht in der Lage auf Fats

Liebesmail einzugehen oder zu antworten, sie konnte und durfte ihn

nie wieder sprechen. Sie schrieb Mensch2

 

Hallo Matteo

nein ich gehe nicht mit Fat, keine Ahnung wie der darauf kommt und

eine bluewin Adresse brauch ich auch nicht.

Wie geht es dir, schön ein Email von dir zu bekommen.

Gruß Miss

 

So dachte sie und jetzt nichts wie vergessen das ganze, selber schuld.

Milla dachte sie sei noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen

und wollte in Zukunft einen Bogen um Chaträume machen. Sie nahm ihre

Arbeit auf, Fotostrecken sortieren, Termine machen, usw, es war einiges

liegengeblieben. Spät am Abend war sie vertieft in ihre Arbeit, krähte

der PC sie haben Post. Sie liebte diesen Spruch und hätte ihn gerne

öfters gehört. Es war eine Mail von Matteo, ey kleine bin im Chat du auch?

Ich warte, schrieb er. Milla bekam Hitzewallungen, nein auf keinen Fall

wollte sie in den Chat gehen. Ach Scheiße alles, sie ging in den Chat.

Diesmal aber nicht mit dem Nick Mandarine, sondern als Fanta. Sofort

sah sie das wieder die ganze Gesellschaft versammelt war, aber sie konnte

und wollte nicht wieder dieses Spiel spielen. Unbemerkt klickte Sie Mensch2

an und gab sich zu erkennen. Etwas ernüchtert und eingeschüchtert

plauderten sie eine Weile, doch schon nach kurzer Zeit wurde das Gespräch

wieder intensiv und sie redeten stundenlang.

 

Es vergingen zwei, drei Wochen und sie trafen sich jeden Abend im Chat,

sie plauderten, sie erzählten, sie führten anregende Gespräche, wobei sie

von A auf Z kamen und kein Thema ausließen. Abend für Abend und immer

bis in die Morgenstunden, sie hatten so ohne Ende viel zu sagen.

Fat schrieb täglich Mails, doch sie antwortet auf keine einzige.

Millas Alltag geriet völlig aus den Fugen. In der Nacht führte sie die

wunderbaren Gespräche mit Matteo und morgens schlief sie bis in die

Puppen. Sie war schon immer ein Nachtmensch und kam morgens schlecht

aus dem Bett, jetzt aber war alles aus dem Lot. Sie erledigte hastig ihre

anfallenden Haus- und Hofarbeiten, arbeitete das nötigste und saß so

schnell es möglich war wieder am PC. Sie surfte durchs Netz, was sie immer

noch faszinierte und wartete sehnsüchtig auf Mails von Matteo.

Und diese Mails kamen reichlich, lustige, ernste gefühlvolle, Milla liebte

diese Mails, sie brachten ihr Freude und ein wohliges Gefühl im Herzen.

Es vergingen Wochen mit chatten und Emails schreiben und irgendwann

merkte sie, das sie mehr als freundschaftliche Gefühle für Matteo empfand.

Was konnte das sein? Gefühle für einen Mann den sie nicht einmal kannte

und nicht wusste wie er aussah. Doch sie kannte ihn mehr als sie je einen

Menschen gekannte hatte. Diese unendlich vielen Stunden, ausgefüllte mit

Gesprächen hatten sie einander ganz nah gebracht, sie wussten so viel

voneinander. Ihr wurde bewusst das sie niemals wieder auf diese Gespräche,

auf diesen Menschen verzichten wollte. Und doch war da ihr wacher Verstand,

der ihr sagte, nein nein nein, es geht nicht. Da war noch die Altersfrage, es

machte ihr furchtbar Bauchweh, dass er noch immer glaubte sie wäre 24

und es macht ihr ebenso Unbehagen das er 24 war. Sie wusste nicht wie er

aussah, sie wusste einfach nichts über ihn. Nur ihr Herz jubelte : ja

wunderbar, er meint es ehrlich und alles andere ist Banane.

 

3

 

Hmm Ratlosigkeit machte sich breit. Eines Tages kam Milla die Idee mit

dem Foto, sie schickte Matteo ein Foto. Sie suchte gewissenhaft nach einem

großen Foto in der Nahaufnahme wo sie genau zu erkennen war, und dachte

so muss er sehen das sie nicht 24 war und es wird zur Sprache kommen.

Was geschah? Nix geschah, Milla war eine attraktive jung aussehende Frau

und Matteo bemerkte nichts. Er muss es erfahren, egal wie, so geht das

nicht weiter. Sie schrieb ihm ein Email und bat ihn am Abend in den Chat

zu kommen.

 

Mandarine: hi

Mensch2: hi

Mandarine: setz dich

Mensch2: jo

Mandarine: sitzt du gut?

Mensch2: jo

Mandarine: wir müssen reden

Mensch2: oha so sprich mein kind

Mandarine: es ist eine ernste sache, also hör mir bitte gut zu

Mensch2: oha

Mandarine: ich habe dich belogen

Mensch2: ?

Mandarine: ja also hmm

Mensch2: weiter

Mandarine: ja also hmmm... da wäre mein Alter, also ich bin 15 Jahre älter als du

 

jetzt wird er gehen dachte Milla.

 

Mensch2: ….

Mensch2: …

Mandarine: noch leben in dir?

Mensch2: na und? Und jetzt?

 

 

Na und sagte er und Scheiße ich habe mich auch noch verrechnet, wie komme ich

auf 15 Jahre – es sind doch 18. Oh nein, oh nein, jetzt sage ich nichts mehr,

ich kann es unmöglich sagen, ich kann es nicht, ach menno, was spielen diese

3 Jahre jetzt noch für eine Rolle, belassen wir es dabei.

 

 

Mandarine: ja nichts und jetzt, ich wollte es dir halten sagen, ich konnte

mit dieser Lüge nicht mehr leben, dazu bedeutest du mir inzwischen zuviel.

Mensch2: es ist ok, wo ist das problem, du 40 ich 24 bzw. fast 25 grins

Mensch2: wir sind doch böckelhart, was soll es also

Mandarine nacht kleiner, machs licht aus.

Mensch2: nacht mandarine schlaf gut.

 

4

 

In den nächsten Tagen kamen sie sich immer näher und näher und keiner von

beiden wusste wie es kam... sie gestanden sich ihre extremen und tiefen Gefühle

füreinander. Von nun an wurden die Gespräche noch intensiver und die Mails

liebevoll und zärtlich. Milla hatte kein Handy und Matteo schickte ihr täglich

mehrere SMS an ihre Emailadresse. Es kam die Zeit, wo beide den großen

Wunsch verspürten sich kennenzulernen, aber beide hatten auch Angst davor,

Angst diese großen tiefen Gefühle zwischen zwei Menschen, durch ein Treffen

zu verlieren. Unbewusst schoben es beide immer wieder vor sich her. Es hatte

hatte zwei drei Mal Ansätze dazu gegeben, doch es musste immer wieder verschoben

werden. Milla war noch immer zerrissen, zwischen ich will ihn endlich sehen,

ihn berühren und … nein nein nein das kann und darf unmöglich sein. Es kann

nicht so weitergehen. Schwer lagen diese düsteren Gedanken auf ihrer Seele

und immer wieder meldete sich ihr Herz und sie wollte diesen einmaligen Mann

endlich kennenlernen. Sie kam zu dem Schluss das ein Treffen unumgänglich sei.

Sie hatte Monate, wunderbare Monate, täglich Stunden mit einem Mann am Telefon

geredet, sie hatten unendlich viele Mails geschrieben und jede Nacht wunderbare

Gespräche im Chat gehabt. Sie wussten irgendwie alles voneinander, dachten sie

jedenfalls. Nun musste sie ein klares Bild von ihm bekommen. Wie sah er in ihrer

Phantasie aus? Sie stellte ihn sich sehr dünn vor, dunkelblonde zippelige Haare,

mit einem ganz normalen Gesicht, in ihren Gedanken war er ein sehr zappeliger

Mensch. War er wirklich so? Sie musste es wissen, ein Treffen und danach ist

endgültig Schluss.

 

Milla, die immer noch gebannt ihre Zeit vor dem Computer verbrachte, fing an

zu ergründen wie dieses Internet denn überhaupt funktioniert, es faszinierte sie

ohne Ende. Sie besorgte sich Lektüre über HTML, Flash, Java, Php und fing an zu

probieren und so gelang es ihr selber Seiten zu erstellen und für ihre kleine

Agentur zu nutzen. Sie war so jeck auf diese Arbeit und verbrachte Stunden am

PC. Und immer wenn der Ruf „sie haben Post“ erklang brach sie in Freude aus.

Der Ruf erklang reichlich.

 

Das Treffen mit Matteo ergab sich dann 6 Monate später, so ganz nebenbei,

er hatte beruflich in München zu tun und wir könnten uns doch prima treffen,

meinte er. Natürlich war Milla pünktlich am Treffpunkt, nur er ließ auf sich warten.

Während dieser Zeit steigerte sie sich in ein wahres Horrorszenario rein, erst war

sie sauer über seine Verspätung und dachte über Foltermöglichkeiten nach, dann

erwähnte sie einfach nach Hause zu fahren, nur die pure Neugierde auf diesen

Menschen hinderte sie daran. Sie wollte und musste ihn sehen und zwar heute.

Ihr kamen Gedanken wie, er hat mich benutzt und will mich gar nicht sehen.

Dieser Mistkerl dachte sie mit Tränen in den Augen. Sie sah plötzlich, ganz am Ende

der Straße einen Kerl kommen, kann er das ein? Nein wohl nicht, wird jemand

Fremdes sein. Sie stand jedoch wie angewurzelt und starrte diesen Mann, der

langsam näher kam, an. Als sie seine Augen erkennen konnte, wusste sie

das ist er. Sie bekam Panik und rannte um die nächste Hausecke, nur weg hier,

dachte sie und atmete erst einmal durch. Scheiße was mache ich jetzt, ich will

mich sofort in Luft auflösen. Langsam schlich sie zur Hausecke und blickte ganz

zaghaft um die Ecke. Dort kam er und war fast da, ok Milla es nützt alles nichts,

da musst du jetzt durch. Sie trat zaghaft aus dem Dunkel der Hausecke hervor

und stand ihm zwei Meter gegenüber.

Keine sagte etwas, sie standen einfach da uns sahen sich an. >Hallo Mandarine<

sagte er und sie antwortete leise >Hi Scheisser< >Komm Kleine, dort ist eine

Parkbank, gehen wir rüber und und setzen uns.< Beide waren bis zum Anschlag

verlegen und plauderten über Belanglosigkeiten. >Es ist spät, wir sollten nach

einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau halten, was meinst du könnten wir

in einem Zimmer übernachten oder brauchen wir zwei?< < >Ich denk wir können

in einem Zimmer übernachten, wir kennen uns doch schon ein halbes Jahr,

reden täglich miteinander und bist mir überhaupt nicht fremd> sagte Millas

Bauch, aber... ihr Verstand sprach da eine völlig andere Sprache, lass uns zwei

Zimmer nehmen, ich kenne dich doch noch nicht real. Sie zogen schließlich los

und fragten in einem Hotel nach Zimmern. Es gab nur noch Doppelzimmer, es

gab kein Entrinnen mehr, Milla fing an zu schwitzen und bekam Schnappatmung.

Im Hotelzimmer setzten sie ihre lockere Plauderei fort. Milla war bis zum Anschlag

nervös, eine Speisekarte des Hotels bearbeitete sie ohne Ende mit ihren Fingern.

Wir werden einfach nicht schlafen und morgen gehen wir dann jeder unseres Weges.

Sie machten kein Licht, nur die sanfte Beleuchtung einer Straßenlaterne erhellte das

Zimmer und sie redeten und redeten. In diesem Halbdunkel, war plötzlich nur noch

seine Stimme da und da war sie auch wieder, diese Vertrautheit die zwischen ihnen

immer war. Sie lagen aneinander gelehnt auf dem Bett und genossen diese Stunde

der Zweisamkeit. Endlich.

Er flüsterte ihr ins Ohr >weißt du noch was ich dir zuletzt geschrieben habe?< Ja ich

weiß es noch, es war „ich liebe dich“. >Ja und das ist auch so und wird auch immer

so bleiben.< Sie streichelten sich, sie küssten sich und sie lagen einfach nur da und

waren glücklich.

 

 

5

 

Sie hatten die ganze Nacht nicht geschlafen und am morgen nachdem sie das Hotel

verlassen hatten verbrachten sie noch Stunden im Englischen Garten, sie lagen einfach

auf der Wiese und waren zufrieden. Am Nachmittag gingen sie noch etwas essen und

Milla sagte ihm, es kann so nicht weitergehen, es geht einfach nicht, wir müssen die

Sache beenden. Alles spricht dagegen, der Altersunterschied, die Entfernung, die ganze

Situation halt. Milla weinte, es zerriss ihr das Herz und doch zog sie es durch. Matteo

gab ihr Recht, er meinte, >klar zig handfeste Gründe sprechen dagegen, aber Milla die

Liebe, was ist mit der Liebe?<

Milla fuhr weinend nach Hause und Matteo erzählte ihr später mal, das auch ihm

die Tränen kamen. Beide weinten und trauerten um ihre wunderbare Liebe. All die

Gespräche, die Offenheit wie sie über jedes Thema sprachen und so ohne Hemmungen

und Scheu. Diese Vertrautheit zwischen ihnen, diese Liebe, all das sollte nun aus sein.

Zuhause angekommen, war nahm Milla ein Bad und dachte nach. Wie alles begann,

die Stunden im Chat, das erste Treffen. Das große Glück welches sie in seiner Gesellschaft

empfand. Dabei ist Matteo überhaupt nicht ihr Typ vom äußeren her, er war nicht

annähernd so wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Er war groß, kräftig, oh Mann ich mag

doch die schlanken und hageren, er hatte seinen Kopf kahl rasiert, sie aber mochte

doch Haare, vor allem wenn sie in die Augen fielen. Alles in allem war es überhaupt

nicht ihr Typ. Ihr Verstand arbeitete fieberhaft, sie musste ihn vergessen, sie musste

wieder ein geregeltes Leben aufnehmen. Sie musste sich um ihre Arbeit, ihr Haus

und ihre Mitbewohner kümmern und vor allem sie musste Nachts schlafen und

morgens früh aufstehen. Sie nahm es sich vor und stürzte sich in ihre alten Aktivitäten

und langsam bekam der Tagen einen, zwar recht mechanischen aber mindestens einen

halbwegs normalen Ablauf.

Ende September bekam sie eine SMS als Mail

 

Ich vermisse alles, deine Augen, deine Stimme, dein Atem, deine Wärme,

Dich einfach. Schnecke ich brauche dich.

 

Sie mailte zurück, scheiße mach keine Scherze mit mir.

Seine Antwort war – Milla, sorry dich oder keine. Das ist kein Scherz. Ich liebe dich.

Fetten Kuss schrieb Milla zurück. Scheiß alles verdammter Scheiß.

 

Sie konnten nicht voneinander lassen und trafen sich wieder jeden Abend im Chat und

sie telefonierten inzwischen auch, sie telefonierten jede Nacht. Stundenlange Gespräche

sehr intim und sehr intensiv, sie liebten einander ohne Ende. Leise und zaghaft begannen

sie über die Zukunft zu reden, nichts konkretes aber Ansätze für evtl. gemeinsames

Leben gab es.

 

 

 

2. Teil

 

 

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